MITTEILUNGENTextfeld: PM | 18.04.08 

Zeit zu handeln
In den frühen Morgenstunden des 17. April durchsuchte die Polizei im Rahmen der Aktion „Odessa“ rund 50 Wohnungen von mutmaßlichen Neonazis. Für 16 Rechtsextrem klickten dabei die Handschellen. Ihnen wird rassistische und nationalistische Hetze, sowie Gewalt in 20 Fällen vorgeworfen. Insgesamt wird südtirolweit gegen rund 100 Jugendliche und junge Erwachsene ermittelt. 
Wir als „Antifaschistische Aktion Meran“ haben bereits seit Monaten über die rechten Umtriebe im Raum Burggrafenamt aufmerksam gemacht und begrüßen die Schritte, die die Polizei nun gegen die rechte Szene eingeleitet hat. 
Nichtsdestotrotz muss klargestellt werden, dass man nicht nur die Symptome des Phänomens Rechtsextremismus bekämpfen muss, sondern an den Ursachen dieses Problems arbeiten muss. Es muss endlich Schluss sein mit dem Verschweigen oder der Verharmlosung dieses Phänomens. Alleine die Tatsache, dass es sich bei den Verhafteten um junge Menschen jenseits der 20 handelt zeigt, dass Rechtsextremismus nicht, wie vielfach behauptet, ein „Lausbubenstreich“ oder eine kurze Phase in der Entwicklung junger Menschen ist. Die Dimension der rechten Szene in Südtirol sollte jedem zu denken geben.
Gefordert sind nun die politischen Verantwortungsträger, die endlich konkrete Schritte einleiten müssen, statt sich immer nur auf Lippenbekenntnisse zu beschränken. Zu diesen konkreten Schritten gehören unter anderem eine verstärkte Aufklärung über den Faschismus und Nationalsozialismus an den Schulen, das Schaffen eines erhöhten Freizeitangebotes für Jugendliche, speziell in kleineren Dörfern, und die Unterstützung von antirassistischen Projekten und Kulturveranstaltungen. Es ist zudem unabdingbar, dass die gesamte Gesellschaft das große Problem und das Ausmaß des Rechtsextremismus in Südtirol erkennt und sich dieser Bedrohung auch stellt. Ein jeder mündige Bürger muss sich für die Werte, wie Freiheit, Demokratie und Toleranz, die unsere Gesellschaft ausmachen, einsetzen und diese auch verteidigen. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sich Neonazis dort am besten ausbreiten und verankern, wo ihnen von der Zivilgesellschaft wenig bis kein Widerstand entgegengebracht wird.
Gerade in einem Land wie Südtirol, das unter Faschismus und Nationalsozialismus zu leiden hatte muss sich jeder seiner Verantwortung bewusst sein, ein erneutes Aufleben dieser menschenfeindlichen Ideologien zu verhindern. Schweigen, ignorieren oder schönreden wird dieses Problem nicht lösen können. Geredet wurde genug. Jetzt ist die Zeit zum handeln gekommen.

EIGENE PUBLIKATIONEN

Pressemitteilungen (PM) und Leserbriefe (LB)

Textfeld: PM | 25.03.08 

Extremismus-Beobachtungs- und Beratungsstelle

Die Antifa Meran ruft der Politik ihre Rolle als Interessensvertreter des Volkes ins Gewissen und fordert die Einrichtung einer Extremismus-Beobachtungs-  und Beratungsstelle für Südtirol zur Dokumentation und Bekämpfung von politischen sowie religiösen Extremismen. Besonders zur Verhinderung von Rechtsextremismus ist sie angebracht. 

Jugendliche, welche aus diversen Gründen in die Neonazi- oder Neofaschistenszene abdriften, stellen für ihr näheres soziales Umfeld eine enorme Belastung dar: Die Eltern, Freunde und Lehrer sehen sich einer völlig neuen Situation konfrontiert; sie sind überfordert und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen können. Diese Menschen dürfen nicht alleine gelassen werden, denn Rechtsextremismus ist ein Problem der Gesellschaft und muss auch von dieser angegangen werden.
Die Beobachtungs- und Beratungsstelle soll den Eltern und Lehrern pädagogische Hilfe für den Umgang mit den Jugendlichen bieten, Informationsmaterial bereitstellen und mit Schulen gemeinsame Projekte zur Aufklärung ausarbeiten. Auch soll sie die Anlaufstelle für Neonazis sein, die aus der Szene aussteigen wollen, den Mut dazu aber nicht finden.
Eine weitere Aufgabe der Extremismus-Beobachtungs- und Beratungsstelle bestünde darin, alle extremistischen Phänomene zu dokumentieren und auszuwerten. Danach kann sie die Öffentlichkeit informieren und der Politik bei konkreten Maßnahmen beratend zur Seite stehen.

Eine Möglichkeit wäre, die schon bestehende Antidiskriminierungsstelle mit oben genannten Aufgaben- und Kompetenzbereichen zu erweitern und die finanziellen Mittel dafür aufzustocken.

Textfeld: PM | 13.03.08 

Kein Ende in Sicht!

Mit dem brutalen Überfall auf drei Meraner setzt sich die neue Welle rechtsextremer Gewalt im Burggafenamt unvermindert fort. Dass es diesmal einen Familienvater getroffen hat, der nur zur falschen Zeit am falschen Ort war, führt die eiskalte Brutalität dieser Gruppierungen deutlich vor Augen.
Schon am 23. Februar hat die „Antifa Meran“ mit einer Kundgebung auf die wiedererstarkende Neonazi- und Neofaschisten-Szene aufmerksam gemacht. Was muss noch alles geschehen, bis die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker den Ernst der Lage wahrnehmen und handeln? Muss erst jemand zu Tode kommen, bis etwas geschieht?
Rechtsextremismus ist ein gesellschaftliches Problem, und als solches muss es auch wahrgenommen werden. Wenn friedvolle Bürger aus Angst  vor rechten Schlägern nachts die Meraner Innenstadt meiden, so läuft etwas gewaltig schief. Dieses Übel muss an der Wurzel bekämpft werden: Eltern, Schule, Jugendarbeit und Politik müssen zusammen an einem Strick ziehen, um der ausufernden Gewalt von rechts Einhalt zu gebieten.
Denn all jene, die bis jetzt tatenlos zugeschaut und unsere Warnungen und Forderungen in den Wind geschlagen haben, sind an der Situation und diesen Vorfällen mit schuld.

Des Menschen höchstes Gut ist seine Menschlichkeit.

 

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